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¡Hasta la vista Bolivien!

Bolivien hatte ich vom ersten Moment an in mein Herz geschlossen. Sobald ich die chilenisch-bolivianische Grenze hinter mir gelassen hatte, spürte ich in einem anderen Land zu sein. Der Grenzposten bestand aus einer einfachen Hütte. Darin stand ein Schreibtisch. Davor saß ein Grenzsoldat. 5 Meter über dem Dach schwebte die bolivianische Fahne an einer langen, dürren Stange im Wind. Ihre leuchtend, rot-gelb-grüne Farbe sollte mich in den kommenden drei Wochen begleiten. Genauso wie Akira und Nicola, die ich kurz zuvor in San Pedro de Atacama/ Chile kennen gelernt hatte. Wir funktionierten hervorragend zusammen. Jede noch so anstrengende Busfahrt war mit ihnen ein Spaß. Auf den fantastischen Überlandfahrten wurden wir mit grandiosen Aussichten belohnt. Keine Gegend, durch die ich bisher gekommen bin, hatte je so viel Diversität zu bieten gehabt. An die Sandwüsten der Atacama schloss sich der gewaltige Salzsee von Uyuni an, danach überquerten wir das Altiplano und erreichten die nördliche Cordillera bei La Paz. Unterwegs präsentierte uns die Mine von Potosi historischen Schrecken und die Stadt Sucre gegenwärtige Schönheit. Nach langen Nächten in La Paz durchkreuzten wir die Yungas mit Fahrrädern. Auf kanuartigen Booten gelangten wir ins Amazonastiefland und damit in den Regenwald und in die Pampas von Bolivien. Die so verschiedenen Lebensräume, die wir in so kurzer Zeit passierten, führten uns die Vielfalt Boliviens direkt vor Augen. Doch Farbenfroh und vielseitig waren nicht nur die Landschaft dieses atemraubenden, zum Teil auf über 4000 m über dem Meeresspiegel liegenden Landes. Auch die Menschen in ihren traditionellen Trachten waren verführerisch exotisch. Die kleinen, runde Cholitas (1), mit ihren schwarzen Zöpfen, Rundhüten und bunten Faltenröcken, welche die Straßen einer jeden bolivianischen Stadt überschwemmten, werden mir fest im visuellen Gedächtnis bleiben. Sie zu beobachten, wenn sie mit ihren kleinen Handkarren Süßigkeiten, Zigaretten und Empanadas verkaufen und dabei die Eingänge zu modernen Computergeschäften und feschen Friseursalons versperren, war mir ein Hochgenuss. Besonders in La Paz trat der Gegensatz von lebender Vergangenheit und zukunftsträchtiger Gegenwart offen zu Tage. Während ein Teil der Gesellschaft bereits vom Zwang des Internets erfasst war und im Netz mehr Zeit verbrachte als auf der Straße, suchte ein anderes Klientel seine Probleme noch durch Zauberkraft zu lösen und stromerte über den Hexenmarkt auf der Suche nach dem richtigen Lama-Kadaver. Mit solchen Beobachtungen hätte ich gern noch mehr Zeit verbracht. Auch habe ich die Stadt Santa Cruz und die umliegenden Jesuiten-Missionen nicht besucht. Doch mein gelöstes Ticket für den Machu Picchu drängten mich zur Eile und so musste ich schweren Herzens weiter ziehen…

IMG_9990-1La Paz von oben: Genau hinschauen! Erkennst Du den Kondor? Bei Nacht bleibt er schwarz, während die umliegenden Häuser ihn leuchtend einrahmen. Ein irrer Anblick!


1) Ebenso wie die Guambiano mögen es auch die Cholitas überhaupt nicht, fotografiert zu werden. Sie glauben, es würde ihre Seele stehlen, heißt es. Und da sie die bolivianischen Städte mit ihrem Erscheinungsbild praktisch beherrschen, war es mir fast unmöglich Fotos zu schießen. Zumindest habe ich in Bolivien zumeist darauf verzichtet meine Kamera auszupacken, denn schon dies konnte zu Unruhe unter den Frauen führen…

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