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Costa Rica – Chiquita, die Krake

Panama schaffte den wirtschaftlichen Durchbruch mit einem Kanal, Costa Rica mit einer Eisenbahnlinie. Im zentralen Hochland des Agrastaates gediehen die Bananenstauden prächtig. Doch um sie auf den Weltmarkt zu bringen, war eine Verbindung zur Karibikküste notwendig. Minor Keith, Neffe eines amerikanischen Railroad Tycoons, erhielt den Zuschlag für das Projekt. Die Arbeiten gingen schleppend voran. Nach 10 Jahre waren gerade mal 100 km fertig gestellt. Malaria und Unfälle rafften die Bauarbeiter dahin. Und enorme staatliche Finanzspritzen waren nötig, bis 1890 der erste Zug zur Küste rollte. Von da ab ging es für Keith & Costa Ricas Wirtschaft zügig steil bergauf. Keith schipperte eine Ladung Bananen nach New Orleans. Die Früchte schmeckten und schon bald rühmte sich Costa Rica weltweit führender Exporteur der gelben Gurke zu sein.

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Zusammen mit zwei Importeuren gründete Keith 1899 die berühmt berüchtigte United Fruit Company. Das Unternehmen ist uns heute bekannt als „Chiquita“, zu deutsch „kleines Mädchen“. Welch harmlos klingender Name! Der Volksmund spricht hingegen von El Pulpo, der Krake – eine vielleicht treffendere Bezeichnung. Denn nach seiner Gründung begann El Pulpo seine Tentakel auf benachbarte Staaten auszustrecken – um auch dort Ländereien, Post, Eisenbahn und Karibikhäfen zu verschlingen. Die Infrastruktur wurde nun fast ausschließlich für wirtschaftliche Zwecke benutzt. Es wurden Gebühren erhoben, die für die Bevölkerung meist unbezahlbar waren. Das kleine Mädchen gilt heute als größter Arbeitgeber Mittelamerikas. Plantagen befinden sich (neben Costa Rica) in Guatemala, Honduras, Panama und Kolumbien (1). In all diesen Ländern gehören Bananen zu den wichtigsten Exportgütern. Würde sich Chiquita zurückziehen, stünden die Regierungen vor einem wirtschaftlichen Fiasko. Politischen Druck auszuüben, ist für den Kraken heute ein leichtes Spiel.

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Diese klapprige Eisenbahnbrücke dient als Grenzübergang zwischen Panama und Costa Rica. Das rostige Relikt erinnert an die Geburtstunden der Bananenindustrie.

(1) Chiquita steht im Verdacht die kolumbianischen Paramilitärs zu unterstützen. Zwischen 1997 und 2004 hat die Krake etwa 1,7 Millionen US-Dollar an die AUC (Dachverband der kolumbianischen Paramilitärs) gezahlt. Das Unternehmen behauptet offiziell, selbst Opfer der „Paras“ zu sein. Man gebe den Erpressungen der AUC nach, um die kolumbianischen Angestellten zu schützen.
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