{"id":693,"date":"2009-12-28T20:04:29","date_gmt":"2009-12-28T19:04:29","guid":{"rendered":"http:\/\/52191652.de.strato-hosting.eu\/?p=693"},"modified":"2010-01-02T09:33:30","modified_gmt":"2010-01-02T08:33:30","slug":"potosi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=693","title":{"rendered":"Die Mine von Potos\u00ed \u2013 Eine H\u00f6lle auf Erden"},"content":{"rendered":"<p>Wir spuckten und husteten. Unsere Kopfleuchten durchdrangen kaum den dichten Nebel aus Staub und bereits nach wenigen Metern fielen wir keuchend zu Boden. Minenarbeiter schritten z\u00fcgig an uns vorbei. \u201eSie werden kaum \u00e4lter als 45 Jahre.\u201c, gab unser Guide Pedro bekannt. An seiner Aussage zweifelte ich keinen Moment.<br \/>\nAus der Silber-Mine von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Potos%C3%AD\" target=\"_blank\"><span style=\"text-decoration: none;\">Potos\u00ed<\/span><\/a> sch\u00f6pften einst die Spanier ihren Reichtum. 1545 gegr\u00fcndet, entpuppten sich deren Fl\u00f6ze, als die lukrativsten weltweit. Ende des 18. Jahrhunderts waren die Stra\u00dfen der Stadt mit Silber \u201egepflastert\u201c, Potos\u00ed entwickelte sich zum gr\u00f6\u00dften und reichsten Ort Lateinamerikas. Im Cerro Rico, dem \u201eReichen Berg\u201c, wurden Sklaven aus Afrika und S\u00fcdamerika zur Arbeit  gezwungen, mehr als 8 Millionen von ihnen fanden hier ihren Tod. Es hei\u00dft, die H\u00fcgel um Potos\u00ed best\u00e4nden nur aus Knochen.<br \/>\nMit 4070 m \u00fcber dem Meeresspiegel gelegen, gilt Potos\u00ed als die h\u00f6chste Stadt der Welt. Die Luft ist hier so d\u00fcnn, dass ich in der vergangenen Nacht kaum schlafen konnte. Nach Luft schnappend krochen wir auf allen Vieren durch die schmalen Sch\u00e4chte. Durch k\u00f6rperenge L\u00f6cher verschluckte uns eine albtraumhafte, schmutzige Tiefe.<br \/>\nSo offenbarte mir Potosi nicht nur fr\u00fcheren, sondern auch heutigen Schrecken. Die Silbervorkommen sind zwar ersch\u00f6pft, doch daf\u00fcr wird weiter nach anderen Mineralien gesch\u00fcrft. \u201eDie Steinmauern stammen noch aus dem 16. Jahrhundert\u201c, verk\u00fcndete unser Guide. Holzst\u00fctzen sind kaum vorhanden. Nicht einmal einen Lift gibt es, von einer Bel\u00fcftung ganz zu Schweigen. Erst war mir furchtbar kalt, dann wurde es pl\u00f6tzlich hei\u00df. Wie zum Beweis meines Verdachtes, tauchte pl\u00f6tzlich vor mir eine lebensgro\u00dfe Teufelsstatue auf. \u201eDas ist Tio.\u201c, erkl\u00e4rte mir Pedro, \u201eDie Arbeiter beten ihn zum Schutz ihres Lebens an.\u201c. Um die Figur t\u00fcrmte sich ein Berg von Plastikflaschen auf, \u201eAlcohol Potable, 96 %\u201c konnte ich darauf lesen.<br \/>\nDann polterte es heftig. Aus dem Dunkel heraus, sprang ein Junge auf mich zu. \u201ePlatz da!\u201c, schrie er, \u201eZur Seite!\u201c. Erschrocken folgte ich seinem Aufruf und gleich darauf rumpelte ein Wagen an mir vorbei, gezogen von ein paar Jungen, die ich nicht \u00e4lter sch\u00e4tzen mochte, als vielleicht 14 Jahre. Fragend sah ich Pedro an. \u201eDer J\u00fcngste ist gerade einmal 10 Jahre alt.\u201c, gab er mir Preis. Durch seine geringe K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe ist er von besonderem Nutzen: Um zu den Erzen vorzusto\u00dfen, graben die Arbeiter zu Beginn nur einen sehr schmalen Schacht, in den sie gerade mal auf ihrem Bauch hinein rutschen k\u00f6nnen. Am Ende des Tunnels positionieren sie dann Dynamit und nur der 10-j\u00e4hrige ist in der Lage, es zu z\u00fcnden und schnell zu wenden&#8230; Ein fernes \u201eRumsen\u201c gefolgt von einem tiefen Grollen unterbrach Pedro bei seinem Kommentar. Staub rieselte auf mich herab. Ob es hier einen Sprengmeister gab, wagte ich zu bezweifelten.<br \/>\nDie Mine ist als Kooperative organisiert, jeder Kumpel bewirtschaftet seinen eigenen Claim. Das Gesch\u00fcrfte verkauft er an eine private, meist ausl\u00e4ndische Schmelze. Dabei macht er im Monat einen Profit von etwa 100 bis 500 US-Dollar \u2013 und an dieser Stelle stellt sich die Frage nach dem \u201eWarum?\u201c. Warum suchen sich die Arbeiter nicht au\u00dferhalb der Mine eine T\u00e4tigkeit, warum kriechen sie t\u00e4glich in diese t\u00f6dlichen L\u00f6cher, wenn dabei so gut wie nichts f\u00fcr sie herausspringt? Die Antwort ist best\u00fcrzend einfach: Sie kennen es nicht anders. Sie haben nie eine Schule besucht. Ihre V\u00e4ter haben sie von klein auf mit in den Berg genommen. Alles was sie k\u00f6nnen, ist sch\u00fcrfen. In den Minen sprechen die Arbeiter \u201eQuecha\u201c, eine Sprache der sie sich verbunden f\u00fchlen. Es sind ihre Freunde, mit denen sie hier ihr Leben teilen.<br \/>\n.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><a title=\"IMG_potosiexport von dondominico bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4231945374\/\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4014\/4231945374_90cde7a021.jpg\" alt=\"IMG_potosiexport\" width=\"500\" height=\"375\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Vor unserem Abstieg in den Berg hatte uns Pedro auf einen Markt gef\u00fchrt, auf dem es Werkzeug f\u00fcr die Kumpel zu kaufen gab, und uns aufgefordert, ein paar Geschenke zu erstehen. Bei der Auswahl half er uns. Den Fruchtsaft, das Dynamit und die Koka-Bl\u00e4tter nahmen uns die Kumpel sp\u00e4ter in der Mine dankend ab. Dennoch blieb beim Verlassen der Mine ein verst\u00f6rendes Gef\u00fchl zur\u00fcck. Pedro versuchte uns aufzuheitern: \u201eWer ist hier verr\u00fcckter?\u201c, fragte er scherzend, \u201eDie Arbeiter, die in die Mine gehen, um Geld zu verdienen, oder ihr, die ihr daf\u00fcr auch noch mit Geld bezahlt?\u201c. Der Scherz half nicht viel und so versuchte Pedro unsere bedr\u00fcckenden Gedanken mit etwas TNT wegzusprengen, was ihm dann \u2013 ehrlich gesagt \u2013 auch gelang.* <\/p>\n<p>* Einen kurzen Clip von der Z\u00fcndung k\u00f6nnt ihr in der Foto-Sammlung finden. Der Clip zur Sprengung lie\u00df sich nicht hochladen &#8211; Flickr nimmt leider nur Clips, mit eine L\u00e4nge von weniger als einer Minute an&#8230;<br \/>\n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir spuckten und husteten. Unsere Kopfleuchten durchdrangen kaum den dichten Nebel aus Staub und bereits nach wenigen Metern fielen wir keuchend zu Boden. Minenarbeiter schritten z\u00fcgig an uns vorbei. \u201eSie werden kaum \u00e4lter als 45 Jahre.\u201c, gab unser Guide Pedro bekannt. An seiner Aussage zweifelte ich keinen Moment. 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