{"id":534,"date":"2009-12-12T22:13:16","date_gmt":"2009-12-12T21:13:16","guid":{"rendered":"http:\/\/52191652.de.strato-hosting.eu\/?p=534"},"modified":"2009-12-15T22:11:10","modified_gmt":"2009-12-15T21:11:10","slug":"chilenische-gastfreundschaft-eine-kostprobe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=534","title":{"rendered":"Chilenische Gastfreundschaft &#8211; Eine Kostprobe"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"http:\/\/www.iglesiasdechiloe.uchile.cl\/iglesias\/patrimonio\/castro.html\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"text-decoration: none;\"><span style=\"font-weight: normal;\">Iglesia San Francisco de Castro<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-weight: normal;\"> (*) war geschlossen. Und das Regionalmuseum auch. Ich stromerte ziellos durch die Stadt, dann am Hafen entlang und knipste ein paar Bilder. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich eine Stimme und drehte mich um. \u201eCoffee? Tee?\u201c fragte der Mann freundlich. Weit und breit war sonst niemand zu sehen, er musste also mich meinen. \u201eClaro!\u201c, antworte ich h\u00f6flich. Eine solche Einladung schl\u00e4gt man schlie\u00dflich nicht aus. Er winkte mich in sein Haus und wir stellten uns vor. Er hei\u00dfe Aron, gab er bekannt und er sei 37. Dann setzte er Wasser auf. Ohne weiter zu fragen, hatte er entschieden, dass ich Kaffee mag. Dann bot er mir H\u00fchnchen an. \u201eClaro!\u201c, gab ich zur\u00fcck und er freute sich. W\u00e4hrend er die Keule von einer Plastikt\u00fcte befreite und sie in einer Pfanne begann aufzuw\u00e4rmen, sah ich mich in seinem Wohnzimmer um. Viel gab es nicht zu sehen. Eine Stereoanlage, ein Tisch, zwei St\u00fchle, Staub und schmutzige Teller. \u00dcber dem Sofa hing eine Urkunde, die seinem Vater ein Diplom in Literatur bescheinigte, im Flur hing ein lebensgro\u00dfes Poster von Papst Johannes Paul <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">II.. Er erhaschte meinen Blick und fasste sich ans Herz: \u201e Me gusta mucho&#8230;!\u201c. Ich verstand. Dann bot er mir, zus\u00e4tzlich zum Kaffee, Wein an. Ich ahnte, dass ihn eine Ablehnung verdrie\u00dfen w\u00fcrde, nahm an und f\u00fchrte unser Gespr\u00e4ch fort. Ob er denn eine Frau habe und Kinder,  wollte ich wissen. \u201eNada.\u201c, sagte er, \u201eEr sei allein.\u201c. Ich stocherte in dem rosa H\u00fchnchen herum. Nun interessierte er sich f\u00fcr meine Arbeit. \u201eYo soy periodista!\u201c, antworte ich stolz, stolz vor allem weil ich mit meinem armen Spanisch schon so weit gekommen war. Da erhellte sich sein Blick und er zog ein gro\u00dfes Poster unter dem Sofa hervor: \u201eMorgen ist Wahl!\u201c, verk\u00fcndete er strahlend. Auf dem Poster war der konservative Kandidat <\/span><\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sebasti%C3%A1n_Pi%C3%B1era\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"text-decoration: none;\">Sebasti\u00e1n Pi\u00f1era<\/span><\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"> zu sehen. Er trug ein wei\u00dfes Hemd und streckte sich in Siegerpose (**). \u201eWie sch\u00f6n!\u201c, sagte ich und hakte nach: \u201eUnd Frau Bachelet m\u00f6gen Sie nicht?\u201c. \u201eNo!\u201c, antwortete er entschlossen und hob drohend den Zeigefinger. Dann gestand er mir, dass er auch <\/span><\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Augusto_Pinochet\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"text-decoration: none;\"><span style=\"font-weight: normal;\">Augusto Pinochet<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-weight: normal;\"> m\u00f6ge.<br \/>\nMittlerweile war ich mit meinem H\u00fchnchen am Ende und Aron bemerkte dies umgehend. Suchend blickte er sich um und ersp\u00e4hte eine Tomate. Ich nahm an und wir wechselten das Thema. Fu\u00dfball interessierte ihn. \u201eMe gusto Bayer-Leverkusen!\u201c verk\u00fcndete er fr\u00f6hlich. \u201eAh!\u201c, stie\u00df ich vielsagend hervor &#8211; ohne zu wissen wer \u00fcberhaupt in dieser Mannschaft spielt. Er half mir weiter: \u201eMichal Kadlec. Burak Kaplan. Toni Kroos.\u201c. \u201eAja.\u201c, gab ich ihm wieder recht und bemerkte zum ersten mal, wozu dieser Sport eigentlich gut ist. Dann wollte er \u00fcber Tennis sprechen. Von Tennis hatte ich nun gar keine Ahnung, aber halb so schlimm: Aron nahm R\u00fccksicht und begann wieder von Fu\u00dfball zu reden. Er begann alle deutschen Fu\u00dfballspieler aufzuz\u00e4hlen die er kannte. Als er fertig war begann er von vorn. Langsam wuchs in mir die Vermutung, dass Aron betrunken war. Schon w\u00e4hrend meines kurzweiligen Stadtbummels hatte ich ein halbes Dutzend Alkoholiker auf den B\u00fcrgersteigen liegen sehen. Ich entschuldigte mich und ging austreten. Als ich zur\u00fcck kam war Aron eingeschlafen. Seit ich das sp\u00e4rlich eingerichtete Zimmer betreten hatte, dudelte aus dem Radio ein einziger chilenischer Song in Schleife. Ich lie\u00df ihn dudeln und verlie\u00df das Haus.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>.<br \/>\n<a title=\"IMG_7852 von dondominico bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4179022783\/\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2762\/4179022783_5e9ec8a364.jpg\" alt=\"IMG_7852\" width=\"500\" height=\"375\" \/><\/a><\/p>\n<p>.<br \/>\n(*) Im Jahr 2000 wurden einige der typischen Holzkirchen der Insel in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. \/ 2007 hat das amerikanische Magazin &#8222;National Geographic Traveller&#8220; ein Ranking von 111 Inselparadiesen gemacht. Chilo\u00e9 erreichte dabei den dritten Platz.<br \/>\n(**) Pinera gilt bei den Pr\u00e4sidenschaftswahlen als Favorit. Er k\u00f6nnte die seit zwanzig Jahren herrschende Mitte-Links-Regierung, seit 2006 unter Pr\u00e4sidentin Michelle Bachelet, abl\u00f6sen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Iglesia San Francisco de Castro (*) war geschlossen. Und das Regionalmuseum auch. Ich stromerte ziellos durch die Stadt, dann am Hafen entlang und knipste ein paar Bilder. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich eine Stimme und drehte mich um. \u201eCoffee? Tee?\u201c fragte der Mann freundlich. 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