{"id":354,"date":"2009-11-03T18:16:42","date_gmt":"2009-11-03T17:16:42","guid":{"rendered":"http:\/\/52191652.de.strato-hosting.eu\/?p=354"},"modified":"2010-03-12T02:04:52","modified_gmt":"2010-03-12T01:04:52","slug":"torres-del-paine-4-tage-in-der-wildnis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=354","title":{"rendered":"Torres del Paine &#8211; 4 Tage in der Wildnis"},"content":{"rendered":"<p>Ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andenkondor\" target=\"_blank\">Kondor<\/a> kreiste am stahlblauen Himmel und neugierig be\u00e4ugte mich eine Herde Guanacos. Ihr flaumiges, hellbraunes Fell wog sich im Wind. Das Tal f\u00fcllte eine t\u00fcrkisblaue Lagune und die vorbeiziehenden Federwolken vollf\u00fchrten ein imposantes Schattenspiel auf ihr. Nach nur 3 Stunden Busfahrt hatte ich den Nationalpark \u201eTorres del Paine\u201c von Puerto Natales aus erreicht. Eigentlich \u00fcberstieg dieser Ausflug bei weitem meine Reisekasse. F\u00fcr eine \u00dcbernachtung in einem Schlafsaal verlangte man hier ganze 40 Euro. Und ein chilenisches Fr\u00fchst\u00fcck, welches in der Regel aus nicht mehr, als einem trockenen Br\u00f6tchen, etwas Calafate-Marmelade und einer Tasse Kaffee besteht, sollte 20 Euro kosten. Doch der Gedanke, mich mehrere Tage durch Chiles sch\u00f6nsten Nationalpark und die wohl entlegenste Wildnis Patagoniens zu schlagen, reizte mich sehr. Marisa, die flotte Besitzerin des Hostels \u201ePatagonia Adventure\u201c, hatte mich bereits in Puerto Natales vor dem hohen Preisniveau im Park gewarnt und so war ich auf Selbstversorgung eingestellt und mein Rucksack mit Br\u00f6tchen, Wurst und K\u00e4se prall gef\u00fcllt. Au\u00dferdem hatte ich einen Schlafsack, Kaffee und eine Thermoskanne dabei. Mehr ben\u00f6tigte ich nicht. Andere Backpacker schon. Vor mir stieg ein Deutscher aus dem Bus, dessen Rucksack ihm vom Boden bis zu den Schultern reichte. Ein breites Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Was er denn da alles drin h\u00e4tte, wollte ich von ihm Wissen. \u201eTrommeln.\u201c, antwortete er knapp. Mit einem steilen Aufstieg begann so dann auch die erste Tagesetappe und mein Landsmann war als bald nicht mehr zu sehen.<br \/>\nStatt dessen gesellte sich eine mutige, blonde amerikanische Lady zu mir. \u201eAre you dutch?\u201c, wollte sie wissen. Wenn man meine Nationalit\u00e4t nicht an meinem Akzent erkennt, macht mich das immer ein wenig stolz. Jennifer Denley hatte ihr kalifornisches Strandhaus untervermietet und befand sich seit 8 Monaten auf kulinarischer Weltreise. Als Virtuosin in indischer, t\u00fcrkischer, italienischer und marokkanischer K\u00fcche hatte sie mir viel zu Erz\u00e4hlen und ich zu Fragen. Und schon bald wurde es noch unterhaltsamer. Die gleiche Route vor Augen und mal mehr, mal weniger das gleiche Tempo an den Tag legend, schlossen sich uns Ben Boyle und seine Freundin Emma Hicks aus Australien an. Beide hatten ihre Reise in Ecuador begonnen und waren schon ein gutes Jahr unterwegs. Gespr\u00e4chsstoff gab es also reichlich. Bis zum Abend erg\u00e4nzte sich unser Trupp noch um die polnischen Architekten Roman Halat und seine Freundin Ilona sowie Christi Houwers aus Holland. Unabh\u00e4ngig voneinander hatten wir uns die 4-Tagestour \u201eDas gro\u00dfe W\u201c zum Ziel gesetzt, gemeinsam gingen wir es nun an.<br \/>\nDas Wetter in Patagonien ist so unentschlossen wie ein Sch\u00fcrzenj\u00e4ger vor seiner Hochzeit. Auch wenn am Himmel keine Wolke zu sehen ist, kann es eine viertel Stunde sp\u00e4ter schon schneien. Und manchmal bleibt es dann auch f\u00fcr 2 Wochen dabei. Doch uns wahren die chilenischen Wettergeister wohl gesonnen und so erreichten wir \u201eTorres del Paine\u201c (***) am ersten Abend. Ihre bis zu 2850 m hohen nadelartigen Granitspitzen gl\u00e4nzten am Himmel. Zu ihrem Fu\u00dfe, wo man auf Grund des oft starken Windes gew\u00f6hnlich keine 10 Minuten stehen kann, w\u00e4rmten wir uns und tranken Wodka.<br \/>\nAuch am n\u00e4chsten Tag hielt sich das Wetter. Nur die Wanderkarten des Parks waren ungenau, so dass wir mehrere Fl\u00fcsse durchwateten und unsere abendliche Holzh\u00fctte mit nassen F\u00fc\u00dfen erreichten. Unser Refugio entpuppte sich zu unserer gro\u00dfen Erleichterung und Freude als ein \u00e4u\u00dferst Gem\u00fctliches. Ein Ofen verstr\u00f6mte den angenehmen Duft von brennendem Holz. Es gab argentinische Steaks von bester Qualit\u00e4t. Ben erz\u00e4hlte vom Tasmanischen Devil <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beutelteufel\">(*)<\/a>, dem nach seiner Meinung coolsten Tier auf diesem Planeten, und wir spielten \u201eShit Hand\u201c &#8211; ein Kartenspiel, bei dem es nicht unbedingt ums Gewinnen gehen muss und dass angeblich jeder Traveler kennt. Ich kannte es bis dato noch nicht. Dennoch gewann ich gleich die erste Runde, es machte mir also Spa\u00df.<br \/>\nAn den kommenden beiden Tagen lie\u00df sich die Sonne leider nicht mehr ganz so oft blicken. Ein kalter Wind peitschte durch das Bergmassiv und es schneite. Dennoch \u00fcbersprangen wir gut gelaunt Baumst\u00e4mme und B\u00e4che, beobachteten Woodpecker (bei uns Spechte genannt), sammelten Chaura-Beeren und diskutierten wild \u00fcber den Sinn und Unsinn des Backpackerdaseins. Roman brachte keinen ernsthaften Satz \u00fcber seine Lippen und Christis Brust schwoll vor stolz, weil sie immer noch mithielt. Nach insgesamt gut 60 km Fu\u00dfmarsch erreichten wir am letzten Abend den beeindruckenden Gletscher \u201eGlaciar Grey\u201c. Dicke Flocken schneiten vom Himmel und die ehrgeizigen Camper vor dem Refugio taten mir leid. Die Puristen hatten sich um einen Kessel Mate-Tee (**) versammelt und versuchten den Kocher darunter in Gang zu halten. Ich hingegen sprang unter der Dusche blitzschnell von einem Bein auf das andere, um die Verbrennungen, die der linke Duschstrahl ausl\u00f6ste mit dem Gletscherwasser auf der rechten Duschh\u00e4lfte abzuk\u00fchlen. Nunja, auch das geh\u00f6rt wohl zu einem echten Abenteuer in der Wildnis dazu.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beutelteufel\">(*)<\/a> Der Tasmanische Teufel sieht aus, wie eine Mischung aus Hund und Katze. Er hat einen extrem muskul\u00f6sen Brustkorb und die Kraft seines Bisses soll st\u00e4rker sein, als die eines Haies.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Argentinische_K%C3%BCche#Mate-Tee\">(**)<\/a> Mate-Tee ist ein koffeinhaltiges Getr\u00e4nk nach dem fast jeder Argentinier s\u00fcchtig ist. Keinen Ausflug tritt er an, ohne seinen Mate-Becher in der Hand und eine Thermoskanne voll hei\u00dfem Wasser unter dem Arm. Da die  Mate-Tasse, auch Kalabasse  genannt, von allen geteilt wird, hat sich die Schweinegrippe \u2013 so munkelt man &#8211; im letzten Jahr in Argentinien besonders weit ausgebreitet.<br \/>\n(***) \u201eDie Blauen T\u00fcrme\u201c, so benannt durch die Mapuche-Indianer<\/p>\n<p><a title=\"Paine von dondominico bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4073385422\/\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2431\/4073385422_4d6455c429.jpg\" alt=\"Paine\" width=\"500\" height=\"298\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Kondor kreiste am stahlblauen Himmel und neugierig be\u00e4ugte mich eine Herde Guanacos. Ihr flaumiges, hellbraunes Fell wog sich im Wind. Das Tal f\u00fcllte eine t\u00fcrkisblaue Lagune und die vorbeiziehenden Federwolken vollf\u00fchrten ein imposantes Schattenspiel auf ihr. 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