{"id":191,"date":"2009-10-11T07:33:50","date_gmt":"2009-10-11T05:33:50","guid":{"rendered":"http:\/\/dominiksadventures.com\/?p=191"},"modified":"2013-02-19T18:50:50","modified_gmt":"2013-02-19T17:50:50","slug":"die-geschichte-vom-verlorenen-rucksack","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=191","title":{"rendered":"Die Geschichte vom verlorenen Rucksack"},"content":{"rendered":"<p><em>(gewidmet Katharina Weber)<\/em><\/p>\n<p>Schwarz, elegant und offenbar belastbar zog er mich sofort an. Auch f\u00fchlt er sich gut an. Er hat ein V-Free Flex TM\u2122 Gurt-System mit einer einzigartigen Anpassung. Seine Gurtb\u00e4nder entlasten durch eine Butterfly Bridge\u2122-Konstruktion die Nackenmuskulatur und die Pivot-Konstruktion bei der H\u00fcftgurt-Befestigung bietet maximale Bewegungsfreiheit&#8230; die Rede ist von einem <strong>Mj\u00f6lner-75l -Kl\u00e4ttermusen-Rucksack<\/strong>, genauer gesagt: meinem Kl\u00e4ttermusen-Rucksack. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und eigentlich hatten wir uns erst drei Tage vor meiner Abreise kennen gelernt. Doch wir verstanden uns auf Anhieb. 500 Takken sind kein Pappenstiel. Doch der Gedanke jeden Morgen, jeden Abend und die gesamte Zeit dazwischen mit ihm teilen zu d\u00fcrfen, \u00fcberzeugte mich sofort. Wenn ich ihm was erz\u00e4hle, h\u00f6rt er mir zu. Und wenn ich es mir nur lange genug vorstelle, fliegt er sogar neben mir her. Kurzum, wir waren von der ersten Sekunde an ein Paar. Leider w\u00e4hrte unsere traute Zweisamkeit nur f\u00fcr kurze Zeit. Schon in Frankfurt am Main wurden wir voneinander getrennt. Und meine Hoffnung, ihn zumindest bei meiner Zwischenlandung in Madrid kurz in die Arme schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, platzte durch den protokollarischen Einwand einer Lufthansa-Angestellten. Mein Zwangsaufenthalt in Madrid lie\u00df meine Sehnsucht nach ihm ins unermessliche steigen. Und als ich ihn auch bei meiner Ankunft in Buenos Aires zwei Tage sp\u00e4ter noch nicht wieder an mich dr\u00fccken konnte, war meine Geduld bereits aufs \u00e4u\u00dferste strapaziert. Doch es sollte noch schlimmer kommen. In Sorge um seinen Zustand, sein Verbleiben \u00fcberhaupt, suchte ich, der Verzweiflung nahe, nach Jemandem der mir Auskunft geben konnte. Ich wendete mich also noch am Flughafen an die f\u00fcr seinen Transport verantwortliche Fluggesellschaft \u201eAir Comet\u201c, von der auf dieser Seite schon \u00f6fter die Rede war. Voll Optimismus f\u00fchrte mich daraufhin ein kurzsichtiger Brillentr\u00e4ger in einen Raum, in dem ein Wiedersehen mit meinem geliebten Rucksack zu erwarten gewesen w\u00e4re. So gro\u00df, wie der Stolz des Angestellten \u00fcber seinen Gep\u00e4ckschatz war, so gro\u00df war meine Entt\u00e4uschung. Sofort begann ich, ihm eine detaillierte Beschreibung von der Formsch\u00f6nheit meines Mj\u00f6lners zu vermitteln. Doch entweder blind oder taub, begann dieser daraufhin, mir alle vorhandenen Gep\u00e4ckst\u00fccke anzupreisen. Klar war das eine handlich, ein anderes schwarz, ein weiteres lang und gro\u00df&#8230; doch in seinem Kopf wollten sich die Adjektive nicht zusammen addieren. Mein Vertrauen in seine zwischenzeitlichen Bemerkungen, wie <em>&#8222;&#8230;etwas \u00c4hnliches lie\u00dfe sich schon aufreiben&#8230;&#8220;<\/em>, schrumpfte ins bodenlose. Dann bat er mich, doch in seinem B\u00fcro Platz zu nehmen, was ich auch tat. Ich hatte seine Zeit in Anspruch genommen. Jetzt waren Andere dran. Im Nachbar-, sowie in und vor seinem B\u00fcro hatte sich bereits eine Traube von mir bekannten  Flugg\u00e4sten gebildet, die nur langsamer als ich gewesen waren aber offenbar ein \u00e4hnliches Problem hatten. Ganz zur Freude des Kurzsichtigen, fand aber fast jeder Passagier ein T\u00e4schchen, dass ihm gefiel. Bis auf zwei oder drei, denen er kleine Zettel mit einer Adresse zusteckte. Gut, das war also meine n\u00e4chste Anlaufstelle. Und mit der Telefonnummer seiner Kollegin, musste ich mich dann auch zufrieden geben. Man w\u00fcrde mich anrufen und den Rucksack an meine CS-Adresse liefern, sobald er ank\u00e4me \u2013 das versicherte man mir noch. Soweit so gut. Nur, daran zu Glauben, meinen hei\u00df geliebten Rucksack in  naher Zukunft wiederzusehen, gelang mir nicht. Im Prinzip eine erste Lektion, mich in Geduld zu \u00fcben. Doch die Sehnsucht nach meinem Begleiter lie\u00df mir keine Ruhe. Am n\u00e4chsten Tag suchte ich das Headquarter der \u201eAir Comet\u201c in Buenos Aires auf. Dort wollte ich eh den Check \u00fcber 600 Euro einl\u00f6sen, dessen H\u00f6he schon in Bezug auf meinen seelisch erlittenen Schaden als unangemessen angesehen werden kann und was sich ebenfalls als Problem herausstellen sollte. Zuerst wollte mich die Dame gar nicht bedienen. Als ich ihr erkl\u00e4rte, dass ich erst in knapp einem Jahr wieder nach Europa fliegen werde, fragte sie mich, ob ich mein Problem denn dann nicht in Lima\/Peru l\u00f6sen k\u00f6nnte&#8230; Damit wurde sie mich nat\u00fcrlich nicht los, was sie dann Gott sei Dank auch einsah. Sie nahm meine Papiere an und lie\u00df dabei \u2013 vielleicht aus Wut? &#8211; fallen, dass sowieso \u201eNiemand\u201c die Autorit\u00e4t h\u00e4tte, solche \u201eWunschzettel\u201c auszuzahlen&#8230; Sp\u00e4testens an dieser Stelle musste ich meine \u201eAir Comet\u201c-Erfahrung aus Madrid korrigieren: \u201eAuch wenn Dir egal ist, wann Du ankommst: Fliege NIEMALS mit \u201eAir-Comet!\u201c. F\u00fcr den Fall, dass ich in 3 Monaten noch kein Geld auf meinem Konto haben sollte, gab sie mir eine Telefonnummer. Seit dem habe ich diese Nummer an jedem Tag, zu jeder Tageszeit angerufen. Doch die Computerstimme ist einfach kein Ersatz f\u00fcr meinen Mj\u00f6lner. &amp; ich will auch nicht aufgeben. Den Spruch \u201ePass auf! Verzweiflung und Wahnsinn liegen nah beieinander\u201c hatte mir MM (*) noch mit auf die Reise gegeben. <em> Wie Recht er doch hatte! <\/em>Nun lenkte ich das Thema auf meinen Rucksack. Und um es abzuk\u00fcrzen: Der Manager versprach, mich am n\u00e4chsten Tag anzurufen. Auch das Flughafenpersonal in BA hatte eine vorsichtige Ank\u00fcndigung f\u00fcr den kommenden Morgen gemacht. Ich erduldete also eine  weitere Lektion in Demut. Zum Verst\u00e4ndnis f\u00fcr meinen schmachtenden Zustand, sollte ich an dieser Stelle vielleicht noch einmal das Argument der starken Anziehungskraft meines Mj\u00f6lners auf mich deutlich machen. In diesem scheinbar \u00fcberteuerten Beh\u00e4ltnis befanden sich n\u00e4mlich nicht nur Socken, Unterw\u00e4sche, ein Handtuch, Zahnb\u00fcrste und sonstige Gegenst\u00e4nde des t\u00e4glichen Gebrauchs. Um es zusammenzufassend zu sagen: ALLE von mir n\u00f6tigen Sachen, um auf menschliche Weise fortzuleben, befinden sich in der torsionssteifen Rahmenkonstruktion aus Sandvik! Am n\u00e4chsten Morgen wollte ich es jedenfalls wissen: Wo ist mein Mj\u00f6lner?! P\u00fcnktlich mit der ersten Maschine aus Madrid, hatte ich den H\u00f6rer in der Hand. Wie sch\u00f6n, ein \u201eFrei-Ton\u201c, dachte ich erst. Aber auch dieses Ger\u00e4usch wirkt nach sp\u00e4testens 1,5 Stunden verd\u00e4chtig. Ebenso der Anrufbeantworter des Managers. Und man bedenke, es war bereits Freitag. Ich sprang in ein Taxi und hielt auf den Flughafen zu. Ohne Rede und Antwort wollte ich den Kurzsichtigen auf keinen Fall ins Wochenende entwischen lassen. Und das gelang mir auch. Zumindest war ich am Ende des Tages stolz auf mich und das, was ich erreicht hatte. Es war auszuschlie\u00dfen, dass sich mein Rucksack in Buenos Aires oder Lima befand! Den Flughafen von Buenos Aires hatte ich in Begleitung einer Angestellten untersucht. Der Flughafen in Lima wurde von einem \u201eAir-Comet\u201c-Suchtrupp vor Ort unter die Lupe genommen.  Die Idee mit Lima war mir gekommen, als mir einfiel, dass am Schalter in Madrid Passagiere nach Buenos Aires &amp; Lima gemeinsam abgefertigt wurden. Und tats\u00e4chlich! In Lima wurden Koffer gefunden, die nach BA geh\u00f6rten! Nur Rucks\u00e4cke eben nicht. Gl\u00fcck f\u00fcr meine Leidensgenossen. Pech f\u00fcr mich. Die Nuss &#8222;Madrid&#8220; war nicht zu knacken. Mj\u00f6lner stand vermutlich einsam und verlassen auf einem leeren Parkplatz, wie ein Kind das im Sandkasten vergessen wurde. Es muss sein schlechtes Gewissen gewesen sein, was den Brillentr\u00e4ger zu einer gro\u00dfz\u00fcgigen Spende f\u00fcr meinen Verlust verleitet haben muss, bot er mir doch tats\u00e4chlich 100 US-Dollar an und die gro\u00dfartige M\u00f6glichkeit doch endlich nach Hause zu gehen. Er wollte es einfach nicht kapieren! Zu seinem Gl\u00fcck tauchte dann eine junge Dame auf, die mir dann doch noch ein wenig Hoffnung injizierte. Sie nahm noch einmal alle Anhaltspunkte auf, die eine Spurensuche zum Sandkasten erm\u00f6glichten. Wieder verstrich eine Nacht in Demut. Und dann passierte etwas absolut \u00fcberraschendes. Via Skype schickte mir meine Freundin Kathy einen Link mit dem ich meine Gep\u00e4cknummer bei Lufthansa verfolgen konnte. Und w\u00e4hrend wir beide die Seite \u00fcberflogen blinkte es auf einmal auf:  GEP\u00c4CKANH\u00c4NGERNUMMER: LH365962 LOKALISIERT IN MADRID ! Wow! Das war doch mal ne Nachricht! W\u00e4hrend ich mit den Gladiatoren von \u201eAir Comet\u201c in Buenos Aire<br \/>\ns gerungen hatte, hatte Kathy ein Heer von Emails in den Kampf geschickt, Telekommunikations- und Netzanbieter bereichert und freundliche Menschen in Deutschland und Madrid um Auskunft gebeten. Und mit einem mal war es Schwarz auf Wei\u00df auf meinem Bildschirm zu lesen. Mj\u00f6lner war gefunden worden! In Madrid! Wo genau lie\u00df sich der Seite nicht weiter entnehmen. Aber nach seiner Streckenbeschreibung zu urteilen m\u00fcsste er in 6,5 Stunden in BA landen und ich werde da sein und ihn endlich wieder in die Arme schlie\u00dfen k\u00f6nnen! Kathy hatte ihn gerettet! &amp; mich nat\u00fcrlich auch! Mj\u00f6lner ist auf dem Weg zu mir! Drau\u00dfen regnet es. Ein Blitz zerrei\u00dft die Nacht. Und f\u00fcr einen kurzen Moment, scheint der Verkehr vor dem Balkon zum erliegen zu kommen &#8211; und der Stadt ein wenig Frieden zu schenken. Danke Kathy!<\/p>\n<p>*) an dieser Stelle ist die Wahrheit der Geschichte zum Opfer gefallen. Wortw\u00f6rtlich hatte ich von MM folgenden Hinweis erhalten: \u201eSei vorsichtig Dominik! Wie Du wei\u00dft, liegen Mut und Leichtsinn nah beieinander!\u201c  (MM &#8211; ich hoffe Du verzeihst mir!)<\/p>\n<p><a title=\"IMG_2056-1 von dondominico bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4000689145\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2453\/4000689145_2677157af6.jpg\" alt=\"IMG_2056-1\" width=\"375\" height=\"500\" \/><\/a><br \/>\nMit Mj\u00f6lner in BA  &#8211; ein fantastisches Gef\u00fchl ihn dabei zu haben!<\/p>\n<p>So! Mj\u00f6lner und ich sind wieder vereint. In einer letzten Schlacht k\u00e4mpfte ich gegen die Comet-Soldaten, wie Kafkas Held gegen die W\u00e4chter in \u201eVor dem Gesetz\u201c &#8211; im Gegensatz zu ihm, lie\u00df ich mich nat\u00fcrlich nicht einsch\u00fcchtern&#8230; Jetzt ruht Mr. Kl\u00e4ttermusen in einer Ecke meines Zimmers. Seine Seitentaschen h\u00e4ngen etwas traurig herab, weil ein paar Karabiner fehlen. Aber das wird schon wieder! \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(gewidmet Katharina Weber) Schwarz, elegant und offenbar belastbar zog er mich sofort an. Auch f\u00fchlt er sich gut an. Er hat ein V-Free Flex TM\u2122 Gurt-System mit einer einzigartigen Anpassung. Seine Gurtb\u00e4nder entlasten durch eine Butterfly Bridge\u2122-Konstruktion die Nackenmuskulatur und die Pivot-Konstruktion bei der H\u00fcftgurt-Befestigung bietet maximale Bewegungsfreiheit&#8230; die Rede ist von einem Mj\u00f6lner-75l -Kl\u00e4ttermusen-Rucksack, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[9],"class_list":["post-191","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-argentinien","tag-buenos-aires"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=191"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2036,"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/191\/revisions\/2036"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}