{"id":181,"date":"2009-10-09T01:41:05","date_gmt":"2009-10-08T23:41:05","guid":{"rendered":"http:\/\/dominiksadventures.com\/?p=181"},"modified":"2009-10-09T01:41:05","modified_gmt":"2009-10-08T23:41:05","slug":"es-hat-begonnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=181","title":{"rendered":"Es hat begonnen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Das schrille Klingeln meines Zimmertelefons bereitete meiner bis dato so friedlichen zweiten Nacht in Madrid ein abruptes Ende. Es war 3 Uhr Morgens. \u201eMr Knauft? Wir haben einen Flug f\u00fcr sie! In 30 Minuten werden sie abgeholt&#8230;\u201c. \u201eAber ich sollte doch erst Morgen&#8230;\u201c. \u201eJa, aber sie k\u00f6nnen jetzt schon fliegen!\u201c Ok, dachte ich mir und versuchte die Lage neu zu bewerten. Dabei trat ich von einem Bein auf das Andere, was sich als mein erster Fehler des Tages herausstellen sollte. Eine etwa 2 cm lange Rei\u00dfzwecke, welche vielleicht schon seit Wochen in der Tiefe des Teppichs nur auf diesen Moment gewartet hatte, bohrte sich bis zum Anschlag in meinen Fu\u00df. Nun war ich wirklich wach&#8230;<br \/>\nF\u00fcr eine Stunde ging jetzt alles ziemlich schnell. Duschen, Sachen packen, zum Flughafen fahren, erneut Einchecken&#8230; und dann dr\u00fcckte pl\u00f6tzlich Jemand auf die \u201eStoptaste\u201c. \u201e7:00 Boarding time\u201c war in verhei\u00dfungsvollen Buchstaben auf dem Monitor \u00fcber Gate 20 zu lesen. Um 10 Uhr war es dann auch soweit. Das Flugpersonal erschien ausgeschlafen und winkte mich durch. Ein nagelneuer A320 erwartete mich, eine Sitzreihe geh\u00f6rte mir ganz allein und der Personalchef von \u201eAir Comet\u201c schien, wie ich, ein Fan von Penelope Cruze zu sein. Wiedereinmal war ich bes\u00e4nftigt.<br \/>\n13 Stunden sp\u00e4ter ri\u00df mich das schier endlose Klatschen meiner Leidensgenossen aus meinem Valiumschlaf. Die Odysee war offenbar zu Ende und die Freude dar\u00fcber nicht zu ersticken. Selbst als der Airbus bereits stand.<br \/>\nDoch der n\u00e4chste Schock wartete bereits auf mich. Woher ich Glauben gesch\u00f6pft hatte, in Buenos Aires tats\u00e4chlich meinen Rucksack in Empfang nehmen zu k\u00f6nnen, wei\u00df ich nicht mehr. Aber nach der Bemerkung der \u201eAir Comet\u201c-Angestellten: \u201eWir haben hier ein Beschwerdeformular. Und wenn sich ihr Rucksack auffinden sollte, geben wir ihnen gerne Bescheid!\u201c, w\u00e4re ich fast \u00fcber die Theke gesprungen. Oder vor den n\u00e4chsten Flieger. Was meinte sie damit, \u201e&#8230;geben wir ihnen Bescheid.\u201c? Wollte sie eine Flaschenpost in den Atlantik werfen? Egal. Ausrichten lie\u00df sich nichts, also rang ich der Dame ihre private Telefonnummer ab und das Versprechen, sich um die Angelegenheit zu k\u00fcmmern. Dann stieg ich in einen Bus Richtung Stadt&#8230;<br \/>\n&#8230;und von diesem Moment an, begann mein Gehirn all die angestauten Endorphine auszusch\u00fctten, die sich dort seit Tagen versammelt hatten. Buenos Aires empfang mich mit einem Lichtermeer. Vorerst war aus meinem schmalen Busfenster nicht viel zu sehen. Wohnblocks ges\u00e4umt von weitl\u00e4ufigen Gr\u00fcnanlagen, 4-spurige Stra\u00dfen auf denen sich Taxis, LKWs und Rostlauben dr\u00e4ngten&#8230; Dann spuckte mich mein Bus vor dem Hauptbahnhof aus. Und von da  an wusste ich wieder, warum ich die ganzen Strapazen auf mich genommen hatte. Mit einem mal war alles wieder da. Buenos Aires sog mich auf, nahm mich ein. Menschen aller Nationalit\u00e4ten tauchten aus dem Halbdunkel auf, str\u00f6mten an mir vorbei, alle in Eile auf dem Weg nach Irgendwo. Farbige, Wei\u00dfe, Indios. Zeitungsverk\u00e4ufer pl\u00e4rten, Reifen quietschen&#8230; Dazu der Duft von ger\u00f6steter Maiskolben und gekochtem H\u00fchnchen. Die pulsierende Energie, die Elektrizit\u00e4t dieser Stadt hatte mich gefangen. Das Abenteuer des Unbekannten hatte begonnen.<br \/>\nGerne w\u00e4re ich noch eine Weile dahin getrieben, doch meine erste Gastgeberin wartete bereits auf mich. Die Stra\u00dfen waren geflutet von schwarzgelben Taxis. Ich schloss die T\u00fcr und mein Fahrer stimmte ohne zu z\u00f6gern in ihr Hupkonzert ein. Kurze Zeit sp\u00e4ter stand ich vor Annas T\u00fcr. Ich bekam ein K\u00fcsschen links, ein K\u00fcsschen rechts &#8211; ihre Mitbewohner taten es ihr gleich. Auch die Jungs &#8211; das sei in Argentinien so \u00fcblich, versicherte man mir. Zeit zum Verweilen blieb nicht, nicht mal um zu Duschen. Wir waren zum Dinner geladen, auf einer CS-Party. (Exkurs: CS steht f\u00fcr Couch-Surfing. Couch-Surfing basiert auf einem Internet-Netzwerk, angeblich das gr\u00f6sste aktive Online-Netzwerk weltweit. Die Teilnehmer bieten in der Regel ihre Couch zum kostenlosen \u00fcbernachten an. Eine g\u00fcnstige Alternative also, um dabei gleichzeitig Leute vor Ort kennenzulernen&#8230; &#038; wie sich noch herausstellen sollte, ist Annas Wohnung das CS-Headquarter der Stadt. Bei ihr bin ich also ganz offensichtlich in den besten H\u00e4nden).<br \/>\nEin paar Bahnstationen sp\u00e4ter fanden wir uns bei Mell wieder. Mell war dabei H\u00fchnchen und Reis zu kochen. Ihre Haust\u00fcr blieb sinnvoller Weise gleich offen stehen. Und kaum hatte ich mein erstes Bier in der Hand, da str\u00f6mten sie auch schon herein, die Intelektuellen und Weltgewandten von BA. Architekten, M\u00f6beldesigner, Dolmetscher, Web-Programmierer, Botschaftsmitarbeiter&#8230; aus Frankreich, \u00d6sterreich, der Schweiz, Bolivien, Venezuela, Kanada und, und, und&#8230; alle zwischen 25 und 35, alle mit interessanten Biografien, gro\u00dfen Tr\u00e4umen, hohen Idealen&#8230; alle h\u00f6flich, wissbegierig, diskussionsfreudig, aufmerksam&#8230; eine bunte Mischung junger Menschen auf einer Dachterrasse \u00fcber dem strahlenden BA. Und ich mittendrin, vertieft in ein Gespr\u00e4ch mit Fabian&#8230;  Fabian Apple hat die letzten 12 Jahre auch beim MDR gearbeitet. Familientagesprogramm. Vor einem halben Jahr hat er seinen Job an den Nagel geh\u00e4ngt und ist nach BA gezogen, um hier zu arbeiten. In BA g\u00e4be es mehr als 1 Million Deutschst\u00e4mmige, die Geschichten l\u00e4gen nur so auf der Stra\u00dfe. Kontakt zu dt. Fernsehsendern h\u00e4lt er \u00fcber eine Webseite, wo er seine Beitr\u00e4ge anteasert&#8230; alles noch im Aufbau begriffen, beschwichtig er, doch ich bin beeindruckt&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/3994463836\/\" title=\"IMG_1898 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3459\/3994463836_c459852622.jpg\" width=\"500\" height=\"375\" alt=\"IMG_1898\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das schrille Klingeln meines Zimmertelefons bereitete meiner bis dato so friedlichen zweiten Nacht in Madrid ein abruptes Ende. Es war 3 Uhr Morgens. \u201eMr Knauft? Wir haben einen Flug f\u00fcr sie! 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