{"id":1708,"date":"2010-08-10T20:01:32","date_gmt":"2010-08-10T19:01:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=1708"},"modified":"2010-08-16T03:58:53","modified_gmt":"2010-08-16T02:58:53","slug":"juayua-%e2%80%93-auf-der-strase-der-blumen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=1708","title":{"rendered":"El Salvador \u2013 Auf der Stra\u00dfe der Blumen"},"content":{"rendered":"<p><!-- \t\t@page { margin: 2cm } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } \t\tA:link { so-language: zxx } --><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">El Salvador ist so klein wie Hessen. In nur f\u00fcnf Stunden hat man es locker von Ost nach West durchquert. In einem ausrangierten Schulbus aus den Staaten hatte ich eine windige und rasante Fahrt. Mehr als sieben Millionen Einwohner teilen sich dieses Fleckchen Erde, viel unber\u00fchrte Natur gab es also nicht zu sehen. Und auch Touristen begegneten mir kaum, es war wie Neuland betreten, das Abenteuer hing f\u00f6rmlich in der Luft. Immer wieder wurde ich verwundert gefragt, was ich denn hier machen w\u00fcrde, so allein? Meine Antwort darauf, mir El Salvador anschauen, l\u00f6ste nur erstauntes Kopfsch\u00fctteln aus (1). Dabei ist die Landschaft hier wundersch\u00f6n! Wie in Nicaragua, recken sich auch hier wuchtige Vulkankegel in die H\u00f6he, dichtes Gr\u00fcn bedeckt die Erde und am K\u00fcstenstreifen brechen sich die gigantischen Wellen des Pazifiks. In Playa del Tunco legte ich einen Stop ein und ging noch einmal surfen. \u00dcber die \u201cRuta de Flores\u201d, die Stra\u00dfe der Blumen, gelangte ich nach Juay\u00faa, ein farbenfrohes Bergd\u00f6rfchen, dessen H\u00e4user, Papierk\u00f6rbe, ja selbst die Strommasten mit surealen und folkloristischen Motiven bemalt waren. Und in der Kirche am Marktplatz bekam ich einen schwarzen Jesus (2) zu sehen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4883134278\/\" title=\"IMG_0531 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4122\/4883134278_3dc2d7afde.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_0531\" \/><\/a><\/p>\n<p>Lauter sch\u00f6ne Erlebnisse, doch am meisten beeindruckten mich die Menschen. Im Bus schenkte mir ein M\u00e4dchen eine Flasche Wasser, einfach so. Als ich ein Haus fotografieren wollte, hielt ein Autofahrer an, um mir nicht durchs Bild zu rauschen. Alle Salvadorianer waren unglaublich r\u00fccksichtsvoll. Und freundlich! Kaum begegnete ich ihren Augen, hob man den Hut oder winkte mit dem Stock. Man l\u00e4chelte mich an, l\u00e4chelte ich zur\u00fcck, verzog sich das L\u00e4cheln zu einem breiten Grinsen. Befand man sich in meiner N\u00e4he, begann man ein Gespr\u00e4ch, fragte mich nach dem Woher, dem Wohin oder ob man helfen k\u00f6nne. Selbst in der Haupstadt San Salvador. Busfahrer hielten f\u00fcr mich an, wo es nicht erlaubt war. Meinem gebrochenen Spanisch h\u00f6rte man geduldig zu und dachte zwei Mal nach, um mir auch die bestm\u00f6gliche Antwort zu geben. Noch nie zuvor in meinem Leben bin ich so viel W\u00e4rme und Menschlichkeit begegnet, wie in diesen Tagen in El Salvador.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4887403024\/\" title=\"IMG_0849 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4073\/4887403024_6ab9824060.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_0849\" \/><\/a><\/p>\n<p><a name=\"cite_ref-7\"><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">So umwerfend aufgeschlossen, nett und hilfsbereit, wie mich die Salvadorianer in ihrem Land willkommen hie\u00dfen, so verst\u00f6rend wirken auf mich die Geschichten, die davon berichten, was sich dieses V\u00f6lkchen bereits selbst angetan hat &#8211; und noch tut! Grund allen \u00dcbels war seit der spanischen Eroberung die Landverteilung. Um 1900 herrschten 14 wohlhabende Familien \u00fcber gut 98 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fl\u00e4che. Der Gro\u00dfteil der Bauern war also landlos und lebte in Armut. Es kam zu Aufst\u00e4nden. 1932 lie\u00df ein General bei einem solchen 30.000 Menschen erschie\u00dfen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><em>La Matanza<\/em><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"> \u2013 \u201edas Massaker\u201d gilt als das Ende der indigenen V\u00f6lker El Salvadors. Menschen wurden get\u00f6tet, einfach weil sie eine indigene Sprache sprachen oder \u201eindianische\u201c Kleidung trugen. Eine Opposition, die FMLN leistete bewaffneten Widerstand. Die Plantagenbesitzer hingegen setzten Todesschwadrone ein. 1980  m\u00fcndete der Konflikt schlie\u00dflich in einem B\u00fcrgerkrieg.<br \/>\nEin Ereignis aus diesem sei genannt: das <\/span><\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_von_El_Mozote\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">\u201eMassaker von El Mozote\u201c<\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">. Es gilt als das gr\u00f6\u00dfte Kriegsverbrechen in der Geschichte Mittelamerikas. Eine US-trainierte Regierungstruppe (3) hatte den Auftrag ein l\u00e4ndliches Gebiet von der Guerilla zu s\u00e4ubern. Das Todesschwadron kreuzte in der Ansiedlung Mozote auf, um die Einwohner zu verh\u00f6ren. Anschlie\u00dfend vergewaltigte man die M\u00e4dchen des Dorfes, manche waren erst zw\u00f6lf Jahre alt. Schlie\u00dflich wurden alle Anwohner get\u00f6tet, insgesamt 900 Menschen, M\u00e4nner, Frauen und Kinder. Und auch danach ging das Morden weiter. Bis 1991 die UNO in dem Konflikt vermittelte. Es wurden demokratische Strukturen installiert. Die Eingliederung der FMLN in den politischen Prozess gilt als Paradebeispiel.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4886828183\/\" title=\"IMG_0818 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4114\/4886828183_ae7d8c4645.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_0818\" \/><\/a><\/p>\n<p>Heute hat El Salvador mit einem anderen Problem zu k\u00e4mpfen, der Gang \u201e<\/span><\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mara_Salvatrucha\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Mara Salvatrucha<\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">\u201c (4). Weltweit soll das Netzwerk 100.000 Mitglieder haben und fast den ganzen amerikanischen Kontinent bedecken. Will man aufgenommen werden, muss man sich verpr\u00fcgeln lassen. M\u00e4dchen haben die Wahl. Sie k\u00f6nnen sich auch von drei Bandenmitgliedern vergewaltigen lassen. Bekannt ist die Bande f\u00fcr ihre extreme Brutalit\u00e4t. Ihre Opfer werden enthauptet und\/oder mit Macheten zerst\u00fcckelt. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Geld verdient man mit Waffenhandel, Prostitution, Drogenhandel, Autoschieberei, Menschenhandel etc.. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Die j\u00fcngsten Mitglieder sind erst elf Jahre alt. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gegr\u00fcndet hat sich die Gruppe eigentlich in den USA. Im Jahr 2000 wollte man das \u201eProblem\u201c dort loswerden und verwies 20.000 straff\u00e4llige Jugendliche zur\u00fcck in ihr Heimatland. Der spanischen Sprache nicht m\u00e4chtig, ohne Job oder Ausbildung dauerte es nicht lang, bis sich die Gangmitglieder im alten Stil neu organisiert hatten.<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"> Ich selbst habe bewusst noch keine Maras gesehen. Wenn aber der Motor eines tiefer gelegten Opels aufheult, oder ein Jeep mit get\u00f6nten Scheiben neben mir h\u00e4lt, dann warte ich praktisch schon darauf, dass<\/span><\/span> sich ein Fenster beginnt zu senken<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">den und der Lauf einer Flinte erscheint. Zehn Menschen werden im Schnitt pro Tag in diesem kleinen Land ermordert. Mit Sicherheit geh\u00f6rt El Salvador zu den gef\u00e4hrlichsten Ecken dieser Welt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a title=\"IMG_0598 von dondominico bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4883149710\/\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4134\/4883149710_fe7b6ed206.jpg\" alt=\"IMG_0598\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">(1) Offensichtlich sind die meisten Salvadorianer nicht besonders stolz auf ihr Land. Die meisten w\u00fcrden es gern verlassen, so wie viele ihrer Br\u00fcder und Schwestern. Mehr als eine Millionen Salvadorianer leben in den USA . J\u00e4hrlich schicken sie 3 Milliarden US-Dollar an ihre Familien nach Hause. Damit steuern sie ganze 16 % des BSP El Salvadors bei.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">(2) Laut meinem Reisef\u00fchrer soll es sich bei meinem schwarzen Jesus um den Bruder des in Esquipulas\/ Guatemala h\u00e4ngenden Leidensgenossen handeln. Er wurde von Quirio Cantano im sp\u00e4ten 16. Jahrhundert geschnitzt.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">(3) Wen das Thema \u201eUS-Training von lateinamerikanischen Soldaten und Diktatoren\u201c interessiert, der sollte mal dem Wiki-Link \u201e<\/span><\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Western_Hemisphere_Institute_for_Security_Cooperation\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">School of the Americas (SOA)<\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">\u201c folgen. Wer sich in die Thematik eingelesen hat, den wundern auch die Fotos aus <\/span><\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abu_Graib\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Abu Ghuraib<\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"> nicht mehr&#8230;<br \/>\n(4) <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Der Name setzt sich zusammen aus den W\u00f6rtern Mara (\u201eMara\u201c steht umgangssprachlich f\u00fcr Bande oder Gang, leitet sich urspr\u00fcnglich aber von der Ameisenart Marabunta ab. Die Wanderameisen f\u00e4llt schlagartig in Gebiete ein und vernichtet alles, was auf ihrem Weg liegt), Salva (f\u00fcr Salvadorianer) und trucha (spanisches Slang-Wort f\u00fcr \u201ewachsam\u201c).<\/span><br \/>\n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>El Salvador ist so klein wie Hessen. 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