{"id":1517,"date":"2010-06-25T20:04:35","date_gmt":"2010-06-25T19:04:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=1517"},"modified":"2010-06-27T21:14:52","modified_gmt":"2010-06-27T20:14:52","slug":"venezuela-%e2%80%93-auf-der-durchreise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=1517","title":{"rendered":"Venezuela \u2013 Auf der Durchreise"},"content":{"rendered":"<p>Im Bus nach Venezuela war ich umgeben von Brasilianern. Alle waren in verschiedenen Orten zugestiegen. Doch man unterhielt sich und scherzte, als ob man sich seit Jahren kennen w\u00fcrde. Und obwohl ich nicht alles verstand, band man mich immer wieder in die Diskussion mit ein. Als es Nacht wurde kuschelten sich die Sitzpartner aneinander. Auf meinen verdutzten Blick murmelte man nur schelmisch: \u201eEs ist doch kalt!\u201c. Zu meinem Erstaunen war es auf venezulanischem Boden mit der menschlichen W\u00e4rme urpl\u00f6tzlich vorbei. Von den Venezulanern wurde ich nicht gegr\u00fc\u00dft, ja nicht mal eines Blickes gew\u00fcrdigt. Ich f\u00fchlte mich, als w\u00e4re ich unsichtbar. In den Kantinen war ich der letzte, der sein Essen bekam. Und selbst in kleinen Kiosken, in denen ich der einzige Kunde war, musste ich darauf dr\u00e4ngen bedient zu werden. W\u00e4hrend meiner ganzen Zeit in Venezuela hatte ich das Gef\u00fchl, nicht willkommen zu sein. Es gab niemanden, der sich mit mir unterhielt, niemanden der mir mehr als meine gestellte Frage beantwortete.<br \/>\nEine Ausnahme bildete der deutsche Hostelbetreiber Gerhard. Bereits vor 17 Jahren hat er sein Zelt in Venezuela aufgeschlagen. Ich bat ihn mir etwas \u00fcber die politische Situation zu erz\u00e4hlen. Doch meine Frage wischte er mit einer Handbewegung und dem Satz hinweg, ob ich ihm denn den Tag verderben wolle. Da ich aber sehr h\u00f6flich gefragt hatte, nahm er sich dann doch etwas Zeit. Chavez wirtschafte das Land zu Grunde. Alles sei sanktioniert. Strom und Wasser werden regelm\u00e4\u00dfig abgestellt, manchmal f\u00fcr Tage. Selbst Speise\u00f6l sei rationiert. Dabei sei Venezuela reich an Erd\u00f6l. Aber eben auch genauso korrupt. Erst k\u00fcrzlich habe man einen Staudamm fertig gestellt, der nur die minimale Leistung bringen w\u00fcrde. Das Geld f\u00fcr die fehlenden Motoren h\u00e4tten sich die Bauherren eingesteckt. Chavez f\u00f6rdere die Monopolisierung, bis nur noch ein einziges Unternehmen \u00fcbrig bleibt. Dieses w\u00fcrde sodann verstaatlicht und der Direktor ins Gef\u00e4ngnis gesteckt. So geschehen erst vor wenigen Tagen mit dem Eigent\u00fcmer der einzigen verbliebenen Biermarke in Venezuela, Polar. In Ciudad Bolivar steht ein Traktorenwerk. Und jeder wisse, dass dort Uran f\u00fcr den Iran angereichert werde. Mit den Arabern sei man dick im Gesch\u00e4ft, aber Israelis wird die Einreise ins Land nicht gestattet. Die Anh\u00e4nger von Chavez leben vorrangig in \u00e4rmeren Barrios. Sie erhalten ein rotes T-Shirt, t\u00e4glich eine warme Mahlzeit und monatlich einen Check. Ob das Existenzsicherung oder Stimmenkauf sei, w\u00e4re nicht fraglich. Der Opposition w\u00fcrde der Urnengang erschwert. Die Wahlb\u00fcros bef\u00e4nden sich zum Teil \u00fcber Hundert Kilometer von den oppositionsstarken Gegenden entfernt \u2013 und der Busverkehr werde zum Zeitpunkt der Wahl fr\u00fchzeitig eingestellt. Sein Hostel will Gerhard verkaufen. So schlimm, wie im Moment sei es noch nie gewesen. Und Hoffnung auf Besserung habe er nicht. Venezuela hat einiges zu bieten, wie die Tafelberge von Roraima, malerische Karibikinseln und den Salto Angel, den h\u00f6chsten Wasserfall der Welt, der sich 979 m in die Tiefe st\u00fcrzt. Dennoch g\u00e4ben 80 Prozent der Touristen ein negatives Feedback von ihrem Aufenthalt ab. Entweder wurden sie auf der Stra\u00dfe \u00fcberfallen oder von Polizisten ausgenommen. Deren Handeln sei absolut willk\u00fcrlich. Entdecken die \u201eOrdnungsh\u00fcter\u201c bei Rucksackreisenden Geld, eine Kamera oder irgendetwas anderes, dass ihnen gef\u00e4llt, behielten sie es einfach ein. Hinzu k\u00e4men finanzielle Hindernisse. Banken tauschten Euros gegen Bolivianos 1:5. Zum Vergleich: Ein Hamburger mit Pommes kostet bei MC Donald 45 Bolivianos, umgerechnet also 9 Euro. Der Schwarzmarkt tausche 1:9. Klar, dass man ihm den Vorzug g\u00e4be. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4732028102\/\" title=\"IMG_2671 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm2.static.flickr.com\/1071\/4732028102_cfa56c3788.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_2671\" \/><\/a><br \/>\nMit mehr als 12 km L\u00e4nge gilt der Teleferico in M\u00e9rida als l\u00e4ngste Seilbahn der Welt. Aber zum Missmut aller Einwohner ist der Touristemagnet seit 2 Jahren geschlossen. F\u00fcr Chavez-Kritiker ein weiteres Indiz f\u00fcr Misswirtschaft.  <\/p>\n<p>Das man nach Venezuela Devisen mitbringen muss, war mir bekannt. Und Euros oder US-Dollar zu wechseln w\u00e4re auch an jeder Stra\u00dfenecke m\u00f6glich gewesen. Da ich aber bereits seit 9 Monaten unterwegs bin, habe ich weder die eine noch die andere W\u00e4hrung im petto. Deshalb deckte ich mich in Brasilien mit Reales ein. Leider wollte die in Venezuela keiner haben. Ich durchlief eine ganze Odyssee, fragte bei Goldschmieden, Schmuckh\u00e4ndlern, in gro\u00dfen Hotels und vielen Hostels nach. Doch all mein Bem\u00fchen an die Landesw\u00e4hrung zu gelangen bzw. meine Reales los zu werden war vergeblich. Und schlie\u00dflich wurde mir in einem brasilianischen Hostel auch noch einmal der krasse Mentalit\u00e4tsunterschied bewusst. Man bat mich h\u00f6flich herein und bot mir ein Bier an. Jeder brasilianische Hotelgast wurde aus seinem Zimmer geholt, mein Problem eingehend diskutiert. Dabei war die Stimmung so herzlich, als w\u00fcrden wir gerade eine Party feiern. Der Chef des Hotels telefonierte sein gesamtes Adressbuch durch. Nur helfen konnte man mir nicht. Auch meine Visa-Karte funktioniert in Venezuela nicht. Und so bleibt mir nichts anderes \u00fcbrig, als das Land zuegig wieder zu verlassen. Egal, bedauern werde ich es nicht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4731314117\/\" title=\"IMG_2644 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm2.static.flickr.com\/1182\/4731314117_827d9f5b48.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_2644\" \/><\/a><br \/>\nAm besten haben mir in Venezuela die alten, amerikanischen Schlitten imponiert. Dodges, Chevrolet Malibu Classic, Ford Mustang u.a. schm\u00fccken jedes Stadtbild und waren immer wieder eine Augenweide.<br \/>\n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Bus nach Venezuela war ich umgeben von Brasilianern. Alle waren in verschiedenen Orten zugestiegen. Doch man unterhielt sich und scherzte, als ob man sich seit Jahren kennen w\u00fcrde. Und obwohl ich nicht alles verstand, band man mich immer wieder in die Diskussion mit ein. Als es Nacht wurde kuschelten sich die Sitzpartner aneinander. 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