{"id":1213,"date":"2010-04-27T13:03:41","date_gmt":"2010-04-27T12:03:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=1213"},"modified":"2010-05-06T01:08:34","modified_gmt":"2010-05-06T00:08:34","slug":"cotopaxi-%e2%80%93-eine-grenzerfahrung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=1213","title":{"rendered":"Cotopaxi \u2013 Eine Grenzerfahrung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4565567464\/\" title=\"IMG_1134 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4022\/4565567464_894cece4cc.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_1134\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das ist er \u2013 der gr\u00f6\u00dfte aktive Vulkan der Welt! (1) 5897 m ist er hoch. Das Foto schoss ich von meinem Hostel aus, rund 3500 m \u00fcber dem Meeresspiegel gelegen. 2,5 km hoch ragen hier also kalte Lavamasse und Gestein aus der Erde. In 23 km Entfernung tritt der <\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cotopaxi\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Cotopaxi<\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> formsch\u00f6n und doch m\u00e4chtig gewaltig in Erscheinung. Seine Besteigung war f\u00fcr mich eine fundamentale Erfahrung.<br \/>\nBereits in Quito hatte ich drei willige Mitstreiter gefunden: Madse aus D\u00e4nemark, Rian und Liz, beide aus den USA. Zu viert ergaben wir ein flexibles Team. Zwei F\u00fchrer standen uns zur Seite. Sollte es einer von uns nicht schaffen, m\u00fcssten (nur) zwei von uns umkehren.<\/span> Gen Mittag brachte uns ein Jeep von unserem Hostel, dem <\/span><a href=\"http:\/\/www.secretgardencotopaxi.com\/activities__adventure\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u201eSecret Garden\u201c<\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">, zu unserer Ausgangsstation. Das Refugio klebte auf einer H\u00f6he von 4800 m unterhalb der ersten Gletscherwand am Cotopaxi. Wir st\u00e4rkten uns mit Snacks und hei\u00dfer Schokolade. Dann wanderten wir zum n\u00e4chst gelegenen Gletscher. Die Spitze des Cotopaxi ist komplett von Eis und Schnee bedeckt. Eine Besteigung ist nur mit Spikes und Eisaxt m\u00f6glich und verschiedene Techniken des \u201eEis-Trekking\u201c sind zu beherrschen. Wir schnallten uns also die Spezialsohlen an und \u00fcbten.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4564959085\/\" title=\"IMG_1205 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3117\/4564959085_40710ac6b6.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_1205\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Danach legten wir uns schlafen. Vier Stunden mussten f\u00fcr diese Nacht gen\u00fcgen. Ziel war es, die Spitze des Vulkans bei Sonnenaufgang zu erreichen. Um 23 Uhr klingelte f\u00fcr uns also der Wecker. Und bereits um 24 Uhr hing ich mit Rian und Marco (einem unserer Guides) an einem Seil. Zum ersten mal schlugen wir die \u00c4xte ins Eis. Die Motivation war gro\u00df. Doch ob wir den Kraterrand bei Sonnenaufgang betreten w\u00fcrden, stand in den Sternen geschrieben. Von den letzten 50 Gruppen, die den Versuch unternommen hatten, hatte keine ihr Ziel erreicht. Aber \u00fcber uns blinkte es vom Himmel und in weiter Ferne Quito am Horizont. Im Schein unser Kopfleuchten erklommen wir z\u00fcgig die ersten steilen H\u00e4nge. Ansonsten h\u00fcllte uns Dunkelheit ein. Unsere Guides gaben uns das Gef\u00fchl, auf dem richtigen Weg zu sein. Sicher waren sie sich jedoch nicht, wie wir bald merkten. Regen, Hagel und Schnee ver\u00e4ndern t\u00e4glich den Berg. Eingetretene Pfade gab es hier nicht. Der viele Sonnenschein der letzten Wochen hatte die \u00fcblichen Routen zur Spitze unpassierbar gemacht. Wie sich herausstellte, mussten wir uns in dieser Nacht eine eigene, neue Route suchen. Vor uns t\u00fcrmten sich riesige Eisberge auf. Offenbar war hier eine Gletscherwand abgebrochen. Der R\u00fcckweg, den Berg wieder hinab, war entmutigend und die d\u00fcnne Luft machte uns zu schaffen. Obwohl wir uns sehr langsam bewegten, hechelten wir wie Jagdhunde nach einer Hatz. Immer wieder musste ich tief Luft holen und mich beruhigen.<br \/>\nMit hoher Konzentration suchten unsere F\u00fc\u00dfe nach Halt auf dem rutschigen Eis. Abhang um Abhang, Aufstieg um Aufstieg n\u00e4hrten wir uns der Spitze auf einem anderen Weg. Ab und an machten wir f\u00fcr einen sehr kurzen Moment Rast. M\u00fcdigkeit stand uns in den Gesichtern geschrieben. Die Guides schlugen uns mehrfach vor, ins Camp zur\u00fcckzukehren. Doch dieser Gedanke lag uns so fern, wie der Mond am Himmel. Die Spannung des Augenblicks und die Aufregung \u00fcber das gerade stattfinde Abenteuer hielten uns wach. Pass um Pass k\u00e4mpften wir uns vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4565629812\/\" title=\"IMG_1254 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4072\/4565629812_edc07e0e7f.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_1254\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Sturm zog auf. Hagelk\u00f6rner  prasselten uns ins Gesicht. Meine Beine wurden schwer wie Blei. Immer wieder geriet ich ins stocken, musste mich knien, setzen am Ende legen. Das war gef\u00e4hrlich! Regelm\u00e4\u00dfig schrie mein Guide auf, stauchte mich zusammen. Doch meine Ohren h\u00f6rten ihn nicht. Gedanklich war ich v\u00f6llig in mich gekehrt. Nur das Seil, an das ich gekettet war, riss mich immer wieder hoch. Gegen 6 Uhr ging die Sonne auf. Das hei\u00dft, eigentlich sahen wir sie nicht. Nur hell wurde es. Die Hoffnung, den Kraterrand bei Zeiten zu erreichen, hatten wir l\u00e4ngst in den Wind geschrieben, der uns eisig um die K\u00f6pfe wehte. Aber das Licht, das nun durch die dichten Wolken drang, lie\u00df uns den Berg erkennen und vor allem unsere F\u00fchrer Orientierung finden. Bald hatten sie ein ihnen bekanntes Plateau gesichtet. Zielstrebig ging es nun vorw\u00e4rts. Liz waren die Tr\u00e4nen auf den Wangen gefroren. Das M\u00e4del war erst 18 und der Cotopaxi ihr erster Berg. Dennoch k\u00e4mpfte sie wie ein Gladiator. Ihre Willensst\u00e4rke war beeindruckend. 5400, 5500, 5600&#8230; im Countdown z\u00e4hlten die Guides die H\u00f6henmeter aufw\u00e4rts. Doch bereits ein einziger Meter wuchs zu einer Herausforderung an. Eine Stunde dehnte sich zu einem ganzen Tag. Unsere Erinnerungen an den \u201eSecret Garden\u201c muteten an, wie Erlebnisse aus einem vorherigen Leben. Und die Gewissheit an eine R\u00fcckkehr, wie der Glaube an ein Kommendes. Doch dann tauchte er vor uns auf, der Kopf des Cotopaxi, die eingefrorene Spitze des Vulkans. Wir nahmen all unsere Energie zusammen, ballten unsere F\u00e4uste, rafften uns auf. Doch unsere Glieder waren schwer, unsere K\u00f6pfe leer. Mit gef\u00fchlter letzter Kraft erreichten wir das Topplateau. Ich fiel zu Boden. Geschafft, erreicht, gewonnen. <\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4565591522\/\" title=\"IMG_1222 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3086\/4565591522_23804124c2.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_1222\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ein leichtes L\u00e4cheln machte sich auf meinem Gesicht breit. Zu mehr war ich nicht mehr f\u00e4hig. Nicht mal in der Lage meinen Rucksack zu \u00f6ffnen, um meine Wasserflasche herauszuholen, gab mir Rian einen Schluck. Leben kehrte in mich zur\u00fcck, f\u00fcr ein paar Fotos reichte es. Wahr nahm ich meine Umgebung jedoch kaum.<br \/>\nNun stand uns der anstrengendste Abschnitt bevor: der R\u00fcckweg ins Camp! Von der warmen, roten H\u00fctte mit den gelben Blumen und der saftig gr\u00fcnen Wiese davor, hatten wir ein klares Bild vor Augen. Und das war es auch, was uns in den n\u00e4chsten Stunden vorw\u00e4rts zog. Au\u00dferdem besa\u00df der \u201eSecret Garden\u201c einen Wintergarten mit einem hei\u00dfen <\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jacuzzi\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Jacuzzi<\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">. Auch wenn er Jahre entfernt schien, wirkte er wie ein Magnet. <\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4565688738\/\" title=\"IMG_1275 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3013\/4565688738_016d6b1994.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_1275\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Schnee und Hagel h\u00fcllten uns ein. Ab und zu lichtete sich der Nebel und legte fantastische Eislandschaften frei. Wir \u00fcberschritten, ja \u00fcbersprangen gewaltige Gletscherspalten. Manchmal hatte uns die Natur Eisbr\u00fccken geschlagen. Unter normalen Umst\u00e4nden h\u00e4tte ich mir solche \u00dcberquerungen nicht getraut. Doch unter den gegebenen Umst\u00e4nden, setzte ich einfach einen Fu\u00df vor den anderen. <\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4565019789\/\" title=\"IMG_1261 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3311\/4565019789_83cc4cde3a.jpg\" width=\"500\" height=\"281\" alt=\"IMG_1261\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">An einer Stelle hatten die Guides &#8211; ein paar Tage zuvor &#8211; eine kleine Stehleiter als Br\u00fccke eingeklemmt. Als ich mich direkt \u00fcber ihr befand, st\u00fcrzte sie in die Tiefe. Erst Sekunden sp\u00e4ter h\u00f6rten wir ihren Aufprall. Mein Sicherungsseil hatte mich gerettet.<br \/>\nJe weiter wir voranschritten, um so m\u00fcder wurden wir. Unsere Konzentration lie\u00df nach. An einem steilen, glatten Abhang rutschte ich ab, sauste in die Tiefe. Mit einem Ruck blieb ich erneut an meinem Sicherungsseil h\u00e4ngen. \u00dcber mir h\u00f6rte ich Rian und Marco schreien. Was wei\u00df ich nicht, ich verstand kein Wort. Ich wusste nur, jetzt muss ich mich zusammennehmen und irgendwie wieder nach oben gelangen. Mit letzter Kraft rammte ich die Spitzen meiner Spikes in die Steilwand vor mir. Dann nahm ich Schwung und schlug meine Spitzaxt \u00fcber mir ins Eis. Langsam zog ich mich an ihr hoch. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck kletterte ich ihr mit den Spikes nach. Von oben halfen Marco und Rian. Als ich den Pass erreicht hatte, war ich v\u00f6llig am Ende. Wie ich es an diesem Tag wieder ins Tal geschafft habe, ist mir jetzt noch ein R\u00e4tsel. Ich habe Reserven genutzt, von denen ich bis dahin nicht wusste, dass ich sie habe. Und ich bin weit \u00fcber sie hinausgegangen. Noch nie in meinem Leben zuvor habe ich etwas vergleichbar anstrengendes getan. Und dabei ging es nicht um den Beweis von Muskelkraft oder eine sch\u00f6ne Aussicht. Nein, es ging darum, seine Grenzen zu finden. Und zwar Grenzen, die allein durch den inneren Willen bestimmt werden. Die 12 Stunden auf dem Cotopaxi waren das intensivste Erlebnis meiner bisherigen Reise. Allerdings war die Besteigung auch zugleich ein Abenteuer, dass ich so schnell nicht wiederholen m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4565090421\/\" title=\"IMG_1280 von dondominico bei Flickr\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3027\/4565090421_519a19e482.jpg\" width=\"500\" height=\"289\" alt=\"IMG_1280\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">(1) Es wird behauptet, dass der <\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ojos_del_Salado\" target=\"_blank\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ojos del Salado<\/span><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> in Chile der h\u00f6chste Vulkan der Erde sei. Dies stimmt aber nicht. Der Ojos del Salado ist mit einer H\u00f6he von 6893 m zwar der zweith\u00f6chste Berg von Amerika. Er besitzt Vulkankrater aber nur an seinen Randgebieten, er ist also kein eigentlicher aktiver Vulkan. <\/span><br \/>\n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist er \u2013 der gr\u00f6\u00dfte aktive Vulkan der Welt! (1) 5897 m ist er hoch. Das Foto schoss ich von meinem Hostel aus, rund 3500 m \u00fcber dem Meeresspiegel gelegen. 2,5 km hoch ragen hier also kalte Lavamasse und Gestein aus der Erde. 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