{"id":1059,"date":"2010-03-14T09:43:19","date_gmt":"2010-03-14T08:43:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=1059"},"modified":"2010-03-26T19:52:55","modified_gmt":"2010-03-26T18:52:55","slug":"wahlen-in-kolumbien-es-geht-ums-land","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dominiksadventures.com\/?p=1059","title":{"rendered":"Wahlen in Kolumbien &#8211; Es geht ums Land!"},"content":{"rendered":"<p>Als eine der negativsten Folgen der Escobar-\u00c4ra kann die Entstehung der paramilit\u00e4rischen Gruppen angesehen werden. Escobar verdiente sein Geld nicht nur mit Kokain, sondern auch mit dem Handel von Waffen. Er unterhielt zahlreiche Trainigscamps in denen er seine Privatarmeen von amerikanischen und israelischen Spezialtrainern ausbilden lie\u00df. Aus vielen der meist minderj\u00e4hrigen, sogenannten Sicarios (Auftragskiller), die f\u00fcr Escobar arbeiteten, wurden sp\u00e4ter paramilit\u00e4rische Milizen (1). Diese vereinigten sich 1997 zur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Autodefensas_Unidas_de_Colombia\" target=\"_blank\">AUC (Autodefensas Unidas de Colombia \/ Vereinigte B\u00fcrgerwehren Kolumbiens)<\/a>, einer Art Dachverband. <\/p>\n<p><object width=\"480\" height=\"385\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/jAABv-PfTtk&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;rel=0\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/jAABv-PfTtk&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;rel=0\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"480\" height=\"385\"><\/embed><\/object><\/p>\n<p>Die AUC soll (nach eigenen Angaben) etwa ein Drittel des kolumbianischen Kongresses kontrollieren. An ihrer Gr\u00fcndung soll der heutige Pr\u00e4sident <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%81lvaro_Uribe\" target=\"_blank\">\u00c1lvaro Uribe<\/a> ma\u00dfgeblich beteiligt gewesen sein. Bereits sein Vater war als Drogenh\u00e4ndler f\u00fcr Escobar t\u00e4tig gewesen. Uribe selbst soll \u201eChef der Luftfahrt\u201c Escobars gewesen sein. Die TV-Journalistin Virginia Vallejo, einst Geliebte von Pablo Escobar, legt diese Verbindung in ihrem 2007 ver\u00f6ffentlichten Buch \u201ePablo lieben, Escobar hassen\u201c dar. Uribe war demnach f\u00fcr den Ausbau von Flugpl\u00e4tzen in Kolumbien und auf Inseln in der Karibik verantwortlich. Nachdem sein Vater von der FARC ermordet worden war, wurde dessen Leichnam in einem Flugzeug Escobars aus dem Dschungel ausgeflogen. Fragen von Journalisten nach Uribes Verbindung zu Escobar treiben den Politiker deshalb regelm\u00e4\u00dfig zur Wei\u00dfglut. Auch sein Hass auf die FARC resultiert vermutlich aus diesem Schl\u00fcsselerlebnis. Dennoch, so wurde mir auch heute wieder von dem Escobar-Historiker best\u00e4tigt, arbeitet die Regierung Uribe nicht wirklich an der Zerst\u00f6rung der Guerillagruppe \u2013 schlie\u00dflich w\u00fcrde sie das um die US-Amerikanischen F\u00f6rdergelder aus dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Plan_Colombia\">&#8222;Plan Colombia&#8220;<\/a> bringen. Au\u00dferdem ben\u00f6tigt sie einen S\u00fcndenbock. Denn wer sonst, wenn nicht die FARC, w\u00fcrde denn dann das ganze Kokain in die Staaten exportieren? Deshalb ist der Regierung Uribe vielmehr an einer Erhaltung des Status Quo gelegen. Wie mein historischer F\u00fchrer heute immer wieder beteuerte, ist (zumindest Teilen) der Regierung auch absolut bekannt wann, wo und wie die Drogen das Land verlassen. In den meisten F\u00e4llen geschieht dies durch die H\u00e4nde der Paramilit\u00e4rs, welche im Dienst lokaler Gr\u00f6\u00dfen, auch politischer stehen. Und dennoch unternimmt die Regierung rein gar nichts gegen sie. Vielmehr beschuldigt sie allein die FARC f\u00fcr den Drogenhandel verantwortlich zu sein.<br \/>\nUm ihre Erfolge im Kampf gegen die FARC zu sch\u00f6nigen betrieb sie in den vergangenen Jahren eine ziemlich schmierige Politik, welche im vergangenen Jahr als <a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/2\/hi\/americas\/8038399.stm\" target=\"_blank\">\u201efalse-positives-Skandal\u201c<\/a> bekannt wurde. Um die Zahl der FARC-Opfer zu steigern, entf\u00fchrte die kolumbianische Armee Zivilisten, ermordet sie und steckte sie in FARC-Uniformen. Es sind F\u00e4lle bekannt, in denen jungen Studenten Praktikumspl\u00e4tze versprochen wurden, um sie in Busse zu locken, die sie nie wieder nach hause brachten. Fast 2000 angebliche FARC-Leichen wurden bereits als zivile Opfer identifiziert.<br \/>\nLeidtragende des Konfliktes ist neben der Stadt- auch die Landbev\u00f6lkerung. Eigentliches Politikum sind n\u00e4mlich nicht die FARC oder die Drogen, sondern L\u00e4ndereien. Die Geschichte spielt sich \u00fcblicherweise folgenderma\u00dfen ab: Rebellen der FARC kreuzen auf einem Geh\u00f6ft auf und essen des Bauerns H\u00fchner, Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte. Am Ende drohen sie ihm damit seine Familie zu ermorden, falls er seine Pflanzungen auf Koka umstelle (2). Dann verlassen sie das Gel\u00e4nde wieder und Paramilit\u00e4rs erscheinen. Diese werfen dem Bauern vor mit der FARC zu kollaborieren und zwingen ihn zum Landverkauf: \u201eEntweder Du nimmst das Geld, oder wir zahlen es Deiner Witwe.\u201c Auf diese Weise schlie\u00dfen die Paramilit\u00e4rs gro\u00dfe L\u00e4ndereien zusammen, auf denen sp\u00e4ter Koka angebaut wird. Allein im Jahr 2007 weiteten sich die Koka-Plantagen um 27 % aus. Wollen sich die Bauern selbst zu einer Community zusammenschlie\u00dfen und Fr\u00fcchte anbauen, erhalten sie daf\u00fcr von den lokalen Autorit\u00e4ten, welche in der Regel auch die Paramilit\u00e4rs stellen, keine Genehmigung. In die Enge getrieben von linker FARC und rechten Paramilit\u00e4rs bleibt den Bauern oft einfach nur die Flucht. Daraus resultierende Fl\u00fcchtlingscamps und Schweigem\u00e4rsche habe ich schon bei Popayan und Cali sehen k\u00f6nnen.<br \/>\nSeit zwei Tagen ist der Ausschank von Alkohol verboten, denn heute finden hier in Kolumbien Parlamentswahlen statt. Uribes Partei bef\u00fcrchtet einen dramatischen Verlust. Die Menschen begr\u00fc\u00dfen die neue Sicherheit im Land. Aber das FARC-Argument zieht nicht mehr. Auch das von Uribe ins Leben gerufene Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Dabei ist es f\u00fcr die Kolumbianer vermutlich ziemlich egal wer dieses Rennen machen wird, denn von politischer Moral ist ihr Staatsapparat weit entfernt. Der Kauf von W\u00e4hlerstimmen ist in Kolumbien g\u00e4ngige Praxis. Dabei werden die \u201eW\u00e4hler\u201c von Paramilit\u00e4rs \u201e\u00fcberzeugt\u201c. 2010 gab es f\u00fcr das \u201erichtige\u201c Kreuz zwischen 10 und 70 US-Dollar.<\/p>\n<p><!-- \t\t@page { margin: 2cm } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } --><a title=\"IMG_6046 von dondominico bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dominiksadventure\/4418854755\/\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2680\/4418854755_130d8d56c0.jpg\" alt=\"IMG_6046\" width=\"500\" height=\"295\" \/><\/a>Kogi-Bauern in der N\u00e4he der Ciudad Perdida. Auch sie geh\u00f6ren zu den Leidtragenden des kolumbianischen Krieges um Land, Drogen und Macht.<\/p>\n<p>(1) Im Gegensatz zu den linken Guerillagruppen FARC &amp; ELN sind die rechten\u00a0 Milizen faschistisch gepr\u00e4gt. Sie sind gegen alles &#8222;andersartige&#8220;, sprich Homosexuelle, Metall-Fans, Hippies usw.\u00a0 Selbst ihre eigene Untergliederung und Trennung erfolgt nach der Hautfarbe ihrer Mitglieder: reine Latinos, reine Afrikanos, Latino-Afrikano-Mischlinge etc. Neben der Betreuung von Kokain-Transporten, dem Kampf gegen die FARC und der Einsch\u00fcchterung von Bauern werden sie auch darauf angesetzt Journalisten, Menschenrechtler und andere Freidenker zu ermorden.<br \/>\n(2) Diese Darstellung erhielt ich von meinem Escobar-Historiker. Nat\u00fcrlich ist bekannt, dass sich auch die FARC unter anderem durch Drogengelder finanzieren. Gestern wurden \u00fcbrigens 3 Leiter einer gro\u00dfen Supermarktkette verhaftet. Ermittlungen hatten ergeben, dass die FARC Geld in ihr Unternehmen investiert hatte.<br \/>\n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als eine der negativsten Folgen der Escobar-\u00c4ra kann die Entstehung der paramilit\u00e4rischen Gruppen angesehen werden. Escobar verdiente sein Geld nicht nur mit Kokain, sondern auch mit dem Handel von Waffen. Er unterhielt zahlreiche Trainigscamps in denen er seine Privatarmeen von amerikanischen und israelischen Spezialtrainern ausbilden lie\u00df. 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